Kantonsspital Obwalden • Brünigstrasse 181 • CH-6060 Sarnen • Telefon +41 41 666 44 22 • E-Mail info@ksow.ch

 

Mehr Lebensqualität durch besseres Hören

KSOW, 19.01.2016

Ein weiterer Schritt in der modernen Hörgeräteversorgung: Die Implantation von Knochenleitungshörgeräten wird nun auch am Kantonsspital Obwalden angeboten.

Schon im 2. Jahrhundert empfahl der römische Arzt Archigenes ein Hörrohr gegen Schwerhörigkeit. Es war ein weiter Weg vom Hörrohr, wie wir es noch von Beginn des letzten Jahrhunderts kennen, zum ersten Hinter-dem-Ohr-Gerät, welches in den 60er-Jahren auf den Markt kam, bis zu den heutigen Hörgeräte- Technologien.
Seit Kurzem werden auch am Kantonsspital Obwalden die modernen Knochenleitungshörgeräte angeboten. Prof. Pfister, Facharzt für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, führt diese Implantationen bereits seit über 10 Jahren erfolgreich durch. Im Interview mit zwei seiner Obwaldner Patientinnen berichten ihm diese über ihre Einschränkungen durch Schwerhörigkeit im Alltag und ihre Erfahrungen mit modernen implantierbaren Hörgeräten bei einseitiger Schwerhörigkeit.

Interview mit Frau Widmer-Rohrer

Frau Widmer-Rohrer, können Sie mir bitte erzählen, wie Sie Ihre Schwerhörigkeit empfunden haben?
Welchen Stellenwert hat die Schwerhörigkeit in Ihrem Leben gehabt?
Eigentlich einen ganz kleinen Stellenwert. Für mich ist die Schwerhörigkeit nie ein grosses Problem gewesen. Eher für meine Kinder, weil ich laut Fernsehen geschaut habe. Aber ich habe gut damit gelebt, da ich natürlich jahrelang nichts anderes gekannt habe.

Gab es in Ihrem privaten Umfeld oder bei Veranstaltungen ein Problem, zum Beispiel, dass Sie eine Person nicht ganz so gut verstanden haben oder war das für Sie immer problemlos?
Es hat Situationen gegeben, zum Beispiel wenn ich an einer Bar gesessen habe und die Person rechts von mir etwas gesagt hat und links Geräusche gewesen sind. Dann musste man mich anstupsen. Das waren die einzigen Situationen, aber sonst, wenn ich geradeaus kommunizieren konnte, war das nie ein Problem.
Hatten Sie im Beruf Probleme? Nein, ich bin Hausfrau und Mutter.

Wie war für Sie der Entscheidungsprozess? Sie haben ja die Problematik schon länger. Was waren bei Ihnen die Kriterien für die jetzige Entscheidung? Hörgeräte haben bei mir aufgrund einer grossen Höhle im Ohr nicht wirklich gut funktioniert. Daher habe ich mich für die Operation entschieden. Die Magnet-Variante kam für mich nicht infrage. Darum ist mir die Entscheidung für das Schraubenimplantat relativ leicht gefallen.

War das für Sie eine grosse Überraschung, als Sie zum ersten Mal das Hören simuliert haben?
Ja, das war wirklich eine Überraschung. Aber irgendwie auch eine kleine Katastrophe, das muss ich ganz ehrlich sagen, weil ich Sachen gehört habe, die ich vorher nicht gehört habe und zwar auf einer ganz anderen Basis, zum Beispiel eine WC-Spülung, einen Wasserhahn, meine eigenen Schritte, ganz schlimm war das plötzlich. Ich habe dann mit der Lautstärke am Gerät relativ weit unten angefangen, weil es einfach zu viele ungewohnte Höreindrücke waren.

Sie haben also eine ganz neue Welt wahrgenommen?
Ja, das kann man so sagen. Und heute bin ich so happy. Am Anfang war es relativ schwierig, alles einzuordnen, alles hat anders getönt, viel intensiver.

Sie mussten das Hören also trainieren?
Richtig, ja. Und ich habe eine super Akustikerin gehabt, die das mit mir Schritt für Schritt gemacht hat. Und heute kann ich sagen, dass es toll ist! Ich bin natürlich noch nicht auf dem Normallevel. Es wird noch höher gestellt.

Das heisst, Sie würden diesen Schritt trotz Operation Das heisst, Sie würden diesen Schritt trotz Operation sofort wieder machen?
Ja, auf jeden Fall, ich würde das jedem empfehlen.

Wie war denn die Operation für Sie?
Ich habe Bammel gehabt, ich hatte Angst. Ich habe auf die Operation gezittert, obwohl ich gut vorbereitet wurde, von Ihnen, Herr Prof. Pfister. Aber man bohrt ja doch in den Schädel und das ist nicht so alltäglich. Aber ich muss sagen: Die Operation – 20 Minuten und schon war sie gemacht.

Und danach sind Sie wieder nach Hause?
Danach bin ich nach Hause, fit und tiptop; als ob nichts gewesen wäre.

Und wann hat man das Gerät eingestellt?
Ich habe ca. sechs Wochen gewartet, bis das Ganze verheilt war und dann bekam ich dieses Gerät und man hat begonnen, mit mir zu arbeiten.

Wenn heute die Batterie ausgeht, was machen Sie dann?
Eine neue hineinlegen.

Sofort?
Ja, eigentlich schon.

Also, Sie könnten es gar nicht aushalten und noch zuwarten?
Das wäre übertrieben, aber man macht es einfach, wie, wenn eine Lampe kaputt geht, dann wechselt man sie gleich aus. Ich muss auch ehrlich sagen, dass ich es nicht immer von morgens bis abends trage. Es gibt Situationen bei der Arbeit – ich arbeite als Pflegehelferin – da lege ich das Gerät ab, einfach aus Sicherheit, damit es nicht kaputt gehen kann. Und in der Nacht trage ich es sowieso nicht.

Wie hat sich für Sie das räumliche Hören verändert? Also die Orientierung, wenn man Ihnen zuruft oder wenn ein Auto oder ein Zug kommt?
Ja, das hat eine grosse Veränderung gegeben. Wenn mich jetzt jemand ruft, sei es der Nachbar: «Kommst du auf einen Kaffee?» oder so, das hätte ich vorher nicht gehört. Und heute schaue ich mich um sage: «Ja gerne, ich komme.» Es hat schon bei allem eine rechte Veränderung gegeben.

Haben finanziellen Aspekte, für das Hörgerät und die Zuzahlung, die Implantation - wo ja auch die Krankenkasse einen Teil bezahlt - bei Ihrer Entscheidung eine Rolle gespielt?
Nie, weil ich gewusst habe, dass ich von der IV und auch von der Krankenkasse her recht gut abgesichert bin. Und die Restkosten habe ich gerne auf mich genommen.

Wie viel mehr Lebensqualität hat Ihnen dieser Schritt, den Sie jetzt eingeschlagen haben, gebracht?
Schon eine echte Lebensqualität, obwohl ich davor eigentlich auch gut gelebt habe. Auf einer Qualitätsskala von 1 bis 10, sage ich jetzt 7 oder 8, ganz sicher. Und es hat nicht nur mir Lebensqualität gegeben, sondern auch meinen Kindern. Ich höre zum Beispiel weniger laut Fernsehen. Sie haben mir immer gesagt: «Mami, du hörst so laut Fernseher.» Für sie war das so unangenehm und für mich war es einfach normal. Es hat daher auch meinem Umfeld etwas gebracht, dass ich das gemacht habe.

Interview mit Frau Schilter

Frau Schilter, erzählen Sie doch bitte, wie das bei Ihnen mit der Schwerhörigkeit war.
Die Schwerhörigkeit hat mich beeinträchtigt. Wenn mein Mann gesprochen hat, musste ich viel nachfragen, und er hatte zu wenig Geduld, mir etwas zweimal zu sagen. Und mir ist auch aufgefallen, dass ich vor allem in Gesellschaft, zum Beispiel an einer Sitzung, bei der Arbeit, nicht alles mitbekommen habe. Ich habe mich nicht getraut, ein zweites Mal nachzufragen.

Würden Sie sagen, dass es für Sie eine Beeinträch- tigung war?
Ja, schon.

Als Sie erfahren haben, dass es verschiedene Möglichkeiten und Geräte gibt, hatten Sie auch die Möglichkeit, etwas zu testen? Und nach welchen Kriterien sind Sie vorgegangen, was war Ihnen am wichtigsten?
Ich hätte ein Mikrofon haben können, das über die Brille gegangen und zum rechten Ohr geleitet worden wäre. Das habe ich als umständlich empfunden. Das andere, das mir gezeigt wurde, habe ich am bequemsten empfunden und auch als etwas Schönes, was man einfach wie einen Klettverschluss ankleben kann.

Welche Ängste hatten Sie, als Sie sich für die Operation entschieden hatten?
Ich hatte keine Ängste. Ich habe mich bei Ihnen sicher gefühlt und hatte dadurch keine Angst vor der Operation. Ich wusste, was ich will.

War der Verlauf der Operation, so wie Sie es erwartet hatten?
Ja, eigentlich schon. Aber die Schmerzen am ersten Tag waren unangenehm.
Aber sonst ist alles gut gekommen, und auch die Heilung verlief gut.

Haben Sie Schmerzmedikamente erhalten? Oder hatten Sie das Gefühl, zu wenig zu erhalten? Ich hatte schon Medikamente erhalten, aber ich habe wenig davon eingenommen. Oder ich habe es auch erst zu spät bemerkt und dann kamen die Schmerzen. Es benötigte dann halt Zeit, bis die Medikamente ihre Wirkung taten. Als man den Kopfschutz entfernen konnte, hat sich der Druck im Kopf stark gebessert.

Wie lange hat es gedauert, bis man bei Ihnen das Gerät aktiviert hat?
Ca. acht Wochen.

Haben Sie von Anfang an gleich sehr gut gehört?
Nein, ich war eher etwas enttäuscht. Ich dachte, man hört dann sofort alles, aber ich wusste da noch gar nicht, dass man das Gerät noch in der Lautstärke verändern kann. Am Anfang wurde das Gerät eher leise eingestellt, damit mein Gehör auch noch selber arbeiten muss und ich auch das optimale Ergebnis erzielen kann.

Und dann wurde es ganz vorsichtig gesteigert?
Am Anfang hatte ich jede Woche einen Termin und es wurde getestet. Ich war dann doch überrascht, dass ich von 10% ausgehend in der zweiten Woche schon auf 20% gestiegen war. Also, so schnell hätte ich es dann doch nicht erwartet und auch noch mit niederer Einstellung.

Sind Sie jetzt schon beim höchsten Wert angekommen?
Nein, noch nicht. Ich habe jetzt seit zwei Monaten nichts mehr gemacht, auch keinen Test mehr. Wir wollen jetzt abwarten und erst im Januar wieder einen Test machen. Wenn ich Probleme hätte, könnte ich mich jederzeit bei der Akustikerin melden.

Was hat sich mit dem Gerät an Ihrem Tagesablauf am meisten geändert?
Also, mir hat es sehr viel gebracht! Viele Missverständnisse bleiben aus. Die Kinder und mein Mann sind auch mir gegenüber viel ruhiger. Vor der Operation ist es mir beim Autofahren aufgefallen, wie oft ich die Kinder auf dem Rücksitz nicht verstanden habe. Ich hörte wohl, dass sie sprechen, konnte ihnen aber keine Antwort geben, weil ich sie nicht verstanden habe. Dann habe ich ihre Aussagen oder Fragen oft über- gangen und einfach gesagt: «Ja, ja, wir sprechen dann nachher drüber...». Das war auch für mich sehr unan- genehm.

Hat sich das räumliche Hören schon verändert?
Ja.

Wenn man Sie jetzt ruft oder wenn Sie ein Auto kommen hören, können Sie es ungefähr einschätzen, woher das Geräusch kommt?
Nicht so stark, aber ich kann es mit der Zeit immer besser. Ich konnte es schon öfter wahrnehmen und habe dann um mich geschaut.

Das heisst, Sie haben da bereits eine Verbesserung bemerkt?
Ja, es hat sich schon verbessert.

Würden Sie das Gerät wieder abgeben?
Nein. Ich würde es auf jeden Fall behalten.

Selbst wenn man Sie nochmals operieren müsste?
Ja, natürlich, ich würde es erneut machen, da ich ja eine gute Operation hatte. Bis jetzt hatte ich auch weder mit der Narbe noch mit anderen Dingen in diesem Zusammenhang Probleme.
Vielen Dank für das Gespräch.
Möchten Sie sich auf den Weg zum besseren Hören machen?
Für einen Beratungstermin wenden Sie sich bitte an die HNO-Praxis Prof. Dr. med. Pfister, Telefon 041 660 94 94

hören

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar zu dieser Seite

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten