Kantonsspital Obwalden • Brünigstrasse 181 • CH-6060 Sarnen • Telefon +41 41 666 44 22 • E-Mail info@ksow.ch

 

Warum Tinnitusbetroffene von Entspannungsverfahren profitieren

KSOW, 12.04.2016

STÄRKERE WAHRNEHMUNG DER KÖRPERSYMPTOME
BEI STRESS // Stress bewirkt in unserem Körper eine Vielzahl von Reaktionen: Herzschlag und Atmung werden beschleunigt, der Blutdruck steigt, die Muskulatur entwickelt mehr Spannung, der ganze Körper gerät in Alarmzustand. Dadurch erhöht sich das Grundpotenzial des Nervensystems, alle Nervenbahnen sprechen schneller auf Reize an, auch Ohrgeräusche, selbst das Eigenrauschen, werden stärker wahrgenommen. Die Wahrnehmung und Intensität eines Tinnitus wird somit durch Stress beeinflusst. Müdigkeit, Lärm, Schmerzen, Schulter-Nackenverspannungen und Kiefergelenkbeschwerden und Stress lassen einen Tinnitus subjektiv lauter erscheinen.

Über längere Zeit anhaltender Stress führt zu Muskelverspannungen, die Betroffenen werden nervös und reizbar, die Schlafqualität wird beeinträchtigt und die Fähigkeit, mit Störfaktoren umzugehen – beispielsweise einem Tinnitus oder Schmerzen – wird beeinträchtigt. Körper und Psyche leiden.

Entspannungsverfahren heilen den Tinnitus nicht, sie wirken jedoch seinen körperlichen und psychischen Reaktionen entgegen. Sie fördern das Wohlbefinden, die Fähigkeit, die Muskulatur zu entspannen und die Reizbarkeit des Nervensystems zu senken. Die verbesserte Wahrnehmung des eigenen Körpers und die gesteigerte Konzentrationsfähigkeit erlauben es, die Aufmerksamkeit gezielt vom Tinnitus weg zu lenken und ihn damit in seiner Stärke und Dominanz zu beeinflussen.

DAS VEGETATIVE NERVENSYSTEM // Das vegetative Nervensystem steuert im Wesentlichen die Organfunktionen. Seine zwei Anteile sind der Sympathikus, der hauptsächlich für die aktiven Phasen zuständig ist, und der Parasympathikus, der primär in Ruhe aktiv ist. Um den Organismus gesund zu erhalten, braucht es einen Ausgleich zwischen den beiden Anteilen des vegetativen Nervensystems.

Das Hörzentrum und das Gefühlszentrum – das Limbische System – sind im Gehirn miteinander verbunden. Unbewusst wird ein Ohrgeräusch, dessen Ursprung nicht identifiziert werden kann, als Bedrohung wahrgenommen. Es kommt zu einer Aktivierung des Sympathikus und einer Unterdrückung des Parasympathikus. Unser gesamter Körper befindet sich in einen Zustand erhöhter neuraler Erregung. Es entsteht eine Verstärkung der Reizwahrnehmung. Die Fähigkeit, zur Ruhe zu kommen, ist eingeschränkt, was zu Schlafstörungen, Gereiztheit und verminderter Belastbarkeit führt. Die Möglichkeit, mit dem Störfaktor Tinnitus umzugehen, reduziert sich weiter.

Entspannungsübungen wirken dieser «Alarm-Reaktion» entgegen. Sie führen zu einem Ausgleich von Sympathikus und Parasympathikus, verringern somit Anspannung und innere Unruhe und unterbrechen den Teufelskreis von Anspannung und Reizwahrnehmung. Der Körper kommt zur Ruhe und kann seine Fähigkeit zur Selbstheilung ausschöpfen.

SEINEN TINNITUS BEHERRSCHEN // Die mit einem Tinnitus verbundenen Gefühle wie Angst, Hilflosigkeit, Hoffnungslosigkeit oder Ärger können durch eine gezielte Entspannung vermindert und die innere Gelassenheit gefördert werden. Entspannungsverfahren schulen darüber hinaus die Konzentration. So gelingt es, die Aufmerksamkeit gezielt vom Tinnitus wegzulenken. Er verliert dadurch an Intensität und tritt in den Hintergrund. Wer regelmässig Entspannungsverfahren anwendet, ist durch seinen Tinnitus deutlich weniger beeinträchtigt.
Die Entspannungstherapie erfolgt auf ärztliche Verordnung. Sprechen Sie Ihre Ärztin oder Ihren Arzt auf das neue Angebot an.

Entspannungstherapie

0 Kommentare

Schreiben Sie einen Kommentar zu dieser Seite

Antwort auf:  Direkt auf das Thema antworten